In der diesjährigen Winterproduktion führt die Reise nach Verona, wo seit Jahren eine zermürbende Fehde tobt zwischen den Montagues und Capulets. Aus Angst vor Macht- und Ehrverlust traut sich niemand der rivalisierenden Gruppen, den blutigen Streit zu beenden. In diesen Hass hinein verlieben sich Romeo und Julia, die Sprösslinge beider Familien,
und heiraten heimlich. Hin- und hergerissen zwischen Liebe und Pflichtbewusstsein, Lust und Religiosität, Hingabe und fehlgeleitetem Ehrgefühl gelingt es weder den beiden, ihre Liebe zu verteidigen, noch ihren Mitstreitern, nicht in den Strudel von Gewalt und Irrsinn gesogen zu werden.
In der Inszenierung von Lukas Wosnitza tritt Friar Laurence, Mitwisser und Mittelsmann des Liebespaares, aus den Schatten der Erinnerung. Gezeichnet von Selbstvorwürfen und Schuld schildert er dem Publikum die Ereignisse, die zum tragischen Ausgang führen. Sowohl sein starker Glaube aber auch seine Gutgläubigkeit und trügerische Sicherheit gehen bei ihm eine tragische Verbindung ein.
Doch Macht, Ehre und Glauben bilden die bestimmenden Werte der veronesischen Gesellschaft, diktieren den Protagonisten ihr Handeln und machen das glückliche Ende von vornherein unmöglich. So wird die berühmte, zeitlose Liebesgeschichte zum brisanten politischen Kommentar.
Cast & Crew
Regie:
- Lukas Wosnitza
Schauspieler:
- Romeo – Ingo Piess
- Montague – Peter Schild
- Benvolio – Matthias Heim
- Abraham – Mathias Lynders
- Balthasar – Luiz F. P. Massucati
- Juliet – Kristina de Giorgi
- Capulet – Philipp Gierenstein
- Lady Capulet – Rebecca Zündorf
- Tybalt – Simon-Dominik Otte
- Nurse – Sarah Kloss
- Samson – Gregor Pallast
- Gregory – Meike Nießen
- Prince Escalus – Anne-Marie Buenker
- Mercutio – Beate Linnenkamp
- County Paris – Paul Zitzke
- Friar Laurence – Patrick David Dozsa
- Friar John – Thomas Pähler
- Apothecary – Sebastian Klement
Crew:
- Set Design: Eugen Schramm, Alexander Holle
- Costume Design: Beate Linnenkamp
- Make-Up: Beate Linnenkamp
- Stage Management: Vera Nevels, Anne Wolf
- Lighting: Markus Becker, Florian Hoffmann
- Prompts: Daniela Elter, Eva Gridi-Papp
- Poster Design: Jason Smith, Sebastian Klement
- Photography: Gregor Pallast
- Music: Matthias Heim
- Fechtchoreographie: Chris Karpenchuk
Produktion:
- Hendrik Wevers
- Esther Helena Arens
- Alexander Holle
- Sebastian Klement
- Beate Linnenkamp
- Simon-Dominik Otte
- Peter Schild
Presse
Nachtigall ick hör dir trapsen! von Dustin Wollny (Campus-Web.de, 15.12.2007)
Shakespeare auf die Bühnen zu bringen ist eine große Herausforderung. Eine noch größere Herausforderung ist es wohl, „Romeo and Juliet“ zu inszenieren. Denn schließlich handelt es sich bei dieser Tragödie um die größte Liebesgeschichte der englischen Literatur. Ergo weiß eigentlich jeder, worum es in dem Stück geht: die unerbittliche Feindschaft zweier Familien (Montague und Capulet), die (unglückliche) Liebe zwischen Romeo und Julia, so wie einen waghalsigen Plan, der die Liebenden vereinen soll, aber stattdessen zum Tod beider führt. Doch natürlich ist das längst nicht alles; „The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet“, so der vollständige Titel des Stückes, hat einiges mehr zu bieten. Die BUSC (Bonn University Shakespeare Company) hat es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, Shakespeares bekanntestem Drama zu neuen Ehren zu verhelfen – in einer Zeit in der viele „Romeo and Juliet“ nur noch mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes assoziieren, durchaus löblich.
Doch keine Angst, natürlich stehen Romeo (Ingo Piess) und Julia (Kristina de Giorgi) nach wie vor im Mittelpunkt des über dreistündigen Stückes. Dementsprechend wird den beiden Hauptdarstellern einiges abverlangt. Schließlich stellen sie das wahrscheinlich berühmteste Liebespaar der Welt dar. Dabei wandeln sie stets auf einem schmalen Grad – denn sie müssen nicht nur die Überschwänglichkeit, sondern auch die Tragik, ihrer Liebe zueinander verkörpern. Zusätzliche Gefahren birgt die exzessive Verbalisierung ihrer Gefühle: Schnell droht das Stück im Kitsch zu versinken, wenn zum Beispiel die zierliche Juliet ihrem liebsten Romeo ins Ohr säuselt: „Do not swear at all; / Or if thou wilt, swear by thy gracious self, / which is the god of my idolatry, / And I’ll believe thee.“ Ähnliche Probleme wirft die Figur des Romeo auf; er neigt in fast allen (Lebens-) Situationen zu Extremen und trägt damit die Gefahr der Übertreibung gewissermaßen in sich. Glücklicherweise scheinen sich Piess und de Giorgi dieser Risiken durchaus bewusst zu sein und umschiffen sie größtenteils. Was sie allerdings nicht daran hindert, das Potenzial ihrer jeweiligen Rollen voll auszukosten: Sie schmachten, lamentieren, parlieren und monologisieren, ganz so wie es sich Herr Shakespeare gewünscht hätte. Unglücklicherweise leidet jedoch das Zusammenspiel zwischen Romeo und Julia hin und wieder darunter.
Doch was wäre „Romeo and Juliet“ ohne seine außergewöhnlichen Nebendarsteller: Besonders die Rolle des Friar Lawrence (Patrick David Dozsa) wird in der Inszenierung von Regisseur Lukas Wosnitza hervorgehoben. Der Geistliche lenkt nicht nur die Geschicke von Romeo und Juliet, sondern übernimmt auch den Part des Chores. Bei Kerzenschein eröffnet er das Stück, kommentiert zwischen den Akten und beschließt es mit seinen Worten. Dozsa verkörpert den Friar, dessen Plan auf fatale Weise fehlschlägt, auf ziemlich beeindruckende Art und Weise. Vor allem, wenn er am Ende zerknirscht seinen – nicht geringen – Anteil an der Tragödie eingesteht. Nicht weniger brilliant spielt Sarah Kloss die Nurse. Durch ihre derbe Art und die zuweilen fast schon schmerzhafte Redseligkeit, gewinnt sie das Publikum schnell für sich. Sicherlich auch, weil der tragische Liebesgeschichte ein wenig Auflockerung durch das ein oder andere „versaute“ Wortspiel bedarf. Wobei es eigentlich besonders zu Beginn des Stückes genügend schlüpfrige Andeutungen und Wortgefechte gibt: Treffen Romeo, Benvolio (Matthias Heim) und Mercutio (Beate Linnenkamp) aufeinander, wird kein Blatt vor den Mund genommen. Während sich Mercutio in einem überschwänglichen Taumel um Kopf und Kragen redet, gibt Benvolio den wohltuenden Ruhepol und Schlichter. Und zu schlichten gibt einiges, denn es bleibt nicht bei Wortgefechten zwischen den verfeindeten Familien. Vielmehr gibt es handfeste Auseinandersetzungen mit gezückten Degen. Besonders wenn der aufbrausende Tybalt (Simon-Dominik Otte) die Bühne betritt: Der „Prince of Cats“ provoziert, spottet und gibt sich köstlich überheblich. Nach einem heftigen Gefecht tötet er Mercutio und wird daraufhin vom – auf Rache sinnenden – Romeo erstochen. Es folgten die Verbannung Romeos durch den stets cholerischen Prince Escalus (Annie-Marie Buenker) und die letzten beiden, entscheidenden Akte der Tragödie.
Wer sich entschließt, „Romeo and Juliet“ zu sehen, sollte sich auf einiges gefasst machen. Die BUSC bietet Shakespeare in Reinform. Keine überflüssigen Bühnenbilder, flamboyante Kostüme oder andere Ablenkungen. Vor dem Hintergrund eines gigantischen Balkons hauchen die Schauspieler dem knapp 400 Jahre alten Stück neues Leben ein. Das heißt allerdings auch, dass im Englisch des 17. Jahrhunderts (Mittelenglisch) gesprochen wird. Und das in bester Theatermanier. Zuweilen geht es recht laut zu, die Textzeilen werden – wenn es die Situation verlangt – mehr geschrieen denn rezitiert. Kurz gesagt, wer bereits mit dem Englisch von Dieter Bohlen Probleme hat, wird nicht viel verstehen. Doch wie sagt man so schön, „Des einen Freude, ist des anderen Leid.“ Es gilt also abschließend festzuhalten, dass jeder der 18 mitwirkenden Schauspieler, seinen Text mit großer Sicherheit, Sprachfertigkeit und Schlagfertigkeit zum Besten gibt. Da vergisst man hin und wieder schon mal, dass die Brotfabrik in Bonn-Beuel ist und nicht irgendwo in England.
Nicht nur eine Liebesgeschichte von Lena Kißmer (kultur-in-bonn.de, 15.12.2007)
Bravourös schaffte es die Bonn University Shakespeare Company e. V. (BUSC), mit ihrer Winter-Premiere eine mitreißende Inszenierung von Shakespeares “Romeo and Juliet” in die Bonner Vorweihnachtszeit zu zaubern.
In den Vordergrund rückte hierbei die Idee von Macht, Ehre und Glauben. Diese drei Elemente der Atmosphäre einer Stadt, die durch die Fehde zweier gesellschaftsbestimmender Familien von innen heraus zerstört wird, galt es zu betonen. Dadurch stachen nicht zuletzt auch die Aktualität des Themas und die Zeitlosigkeit des Stückes hervor.
Die englischsprachige Theatergruppe setzt außerdem auf eine gewisse Klassik bei der Aufführung, die sich beispielsweise in der Wahrung der schlichten Bühnengestaltung entsprechend der szenischen Dramaturgie Shakespeares niederschlägt und somit der Wortkulisse freies Spiel lässt. Denn was gibt es schöneres als die allein durch die Dichtkunst hervorgerufene Illusion? Eben diese unterstreichen die Schauspieler mit Begeisterung für die erhabene Sprache, die jedoch durch witzige Interpretationen einzelner Redensarten (“Quarrel, Sir?”) auch auflockernd komisch wirken kann. Besonders stolz ist die BUSC auf einen kleines, probenaufwendiges Highlight, das die klassische Inszenierung inne hat: die eigene Fecht-Choreographie.
Natürlich kam auch die Liebesgeschichte nicht zu kurz. Mit Glück und Leid, Lachen und Weinen, bereiteten “Juliet and her Romeo” oder besser gesagt “the sun” und “the day in night” in besonderer Art und Weise das Publikum auf das Fest der Liebe vor.
Einen passenderen Premieren-Zeitpunkt als die Vorweihnachtszeit hätte sich die Bonn University Shakespeare Company für “Romeo and Juliet” also nicht suchen können.
Der Erfolg wurde nach der Aufführung mit einem Sektempfang gefeiert. Alle weiteren Veranstaltungen sind ausverkauft.

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