Weder Todesgefahr noch die Übermacht des Feindes erschüttern die Loyalität des glorreichen Kriegshelden Macbeth zu seinem König. Doch süße, orakelhafte Verlockungen schüren seinen Machthunger, und mörderische Gedanken kommen ihm in den Sinn. Nachdem auch seine ehrgeizige Lady von dem blutigen Vorhaben erfährt, gibt es kein Zurück mehr: Der Königsmord ist beschlossene Sache.
Doch das blutige Spiel fordert seinen Tribut: Die Akteure werden zu Getriebenen, Blut verlangt neues Blut und die Verheißungen werden zum Fluch. Gewinner ist nur die sich stetig ausbreitende, brodelnde Schar von Hexenwesen, die das Geschehen verfolgt und kommentiert. Stetig lockend und spottend ergötzt sie sich am Zusammenbruch des machthungrigen Paares.
Die BUSC hebt in ihrer Inszenierung (unter der Leitung von Sisi Vobis) die Macht der Verlockung und damit der Hexen hervor. Diese werden zu allwissenden und den Verlauf beeinflussenden Wesen, die mit jedem Mord, jeder Bluttat an Macht und Stärke gewinnen. Die orakelhaften Schicksalssprüche hinterlassen ihre Spuren auf der Bühne – und wenn der Vorhang fällt, wiederholt sich das Spiel um Macht, Neid und Gier von neuem.
Regie
- Sisi Vobis
Schauspieler
- Macbeth – Chris Karpenchuk
- Lady Macbeth – Beate Linnenkamp
- Duncan – Philipp Gierenstein
- Banquo & his ghost – Aingeal Flanagan
- Fleance – Kristina de Giorgi
- Malcolm – Hendrik Wevers
- Donalbain – Paul Zitzke
- Macduff – Callie Dendrinos
- Lady Macduff – Rebecca Kroesen
- Macduff’s Child – Camie Gaultney
- Lennox – Alexander Holle
- Angus – Simon-Dominik Otte
- Ross – Patrick David Dosza
- Porter – Bernadette Lieder
- Menteith / Young Siward – Jens Kaulen
- Siward – Peter Schild
- Seyton / Murderer – Jens Küstner
- Messenger – Anna Peth
- Servant / Murderer – Daniela Elter
- Doctor – Stephan Richter-Bernburg
- Gentlewoman – Charlotte Kuhlen
- Bleeding Sergeant – Eva Gridi-Papp
- The Weird Sisters – Annie Buenker / Stephanie Pannen / Lukas Wosnitza
- Chor – Vanessa Pohl / Esther Helena Arens / Silvia Arcq / Eva Gridi-Papp / Rebecca Kroesen / Philipp Gierenstein / Paul Zitzke / Bernadette Lieder
Crew
- Stage Manager: Miriam Wezisla
- Stage Hand: Cornelia Kleines
- Stage: Maja Friedrich /li>
- Costumes: Anne-Marie Buenker
- Make-Up: Beate Linnenkamp
- Lights: Markus Becker, Florian Hoffmann
- Sound: Josefine Munke
- Photos: Claudia Reitz
- Poster Design & Programme Layout: Jason Smith
Produktion
- Stephan Richter-Bernburg
- Maja Friedrich
- Anne-Marie Buenker
- Simon-Dominik Otte
- Peter Schild
- Jason Smith
- Silvia Arcq
Bonn. Über die karge Bühne krauchen schleimige Wesen. Sie zischen und krächzen und keuchen. Es sind die Hexen Shakespeares, die “Weird Sisters” aus seinem “Macbeth”.
Auf die Bühne der Brotfabrik gebracht hat sie diesmal die Bonn University Shakespeare Company (BUSC) unter der Leitung von Simone Maja Vobis. Dort beherrschen die Hexen den psychologischen und politischen Untergang des tragischen Helden Macbeth in der englischsprachigen Inszenierung. Shakespeares Tragödie um Macht, Mord und Magie ist seit mittlerweile 400 Jahren ein Bühnen-Dauerbrenner und wurde 1606 in London uraufgeführt.
Darin prophezeien Hexen dem anfangs moralischen und königsloyalen Macbeth (Chris Karpenchuk) einen Aufstieg zum König von Schottland. Da sich die Ankündigungen scheinbar erfüllen, beschließen Macbeth und seine kaltblütige Frau, Lady Macbeth (Beate Linnenkamp), dem Schicksal nachzuhelfen. Ihr gemeinsamer Mord am König löst eine Serie von Gewalt und Verrat aus, die schließlich in der Katastrophe für das Ehepaar endet.
Das Stück stellt die Frage nach Grenzen, zwischen Wahrheit und Lüge, Loyalität und Verrat, Menschlichem und Dämonischem. Die Antwort klebt oft genau zwischen diesen Zuständen. Die schleimigen Wesen auf der Bühne symbolisieren das. In ihren Tarnanzügen geben sie sich nur selten den Protagonisten zu erkennen; anwesend sind sie jedoch in jeder Szene – und das nicht nur im schwachen Scheinwerferlicht. Es hechelt und kriecht auch zwischen den Stuhlreihen, ein ständig waberndes Gewissen.
Die Bühne ist schlicht schwarz, Requisiten sind nur angedeutet – ein Tisch, ein Strohballen eine Schottlandflagge. Sprachlich folgt man fast zwanghaft dem Originaltext, was den Abend ein wenig in die Länge zieht. Doch schauspielerisch ist das Ensemble brillant. Ein breiter schottischer Akzent wird von den zahlreichen Anglistik-Studenten glaubhaft von der Bühne geschrieen, getobt, geklagt.
Macbeth und Gattin, mittlerweile nahe am Nervenzusammenbruch, blicken gehetzt drein und harmonieren in ihrer Falschheit und Reue glänzend miteinander. “Das Gemüt voller Skorpione”, mühen sie sich vergebens, das unschuldige Image zu wahren. Den größten Endruck hinterlassen jedoch die diabolischen Schleimwesen. Vor allem in ihren fließenden, spinnenartigen Bewegungen zeigen sie künstlerische Höchstleistung.
Sie ruhen nicht einen Augenblick, sind Beobachter und Gestalter zugleich. Diese “Zwischenwesen”, wie sie Regisseurin Vobis nennt, sind die wohl mutigste Interpretation der sonst weitgehend klassischen Inszenierung.
Weitere Vorstellungen: vom 30. Juni bis 3. Juli, 20 Uhr, und am 1. Juli (15 Uhr).

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