
Die Marquise de Merteuil, eine reiche Witwe, und der Lebemann Vicomte de Valmont vertreiben sich die Zeit mit bizarren ‘Gesellschaftsspielen’: Manipulativ setzen sie ihre Mitmenschen für ihre Zwecke ein und zerstören mit ihren Intrigen so manche Existenz.
Der neueste Coup der Marquise und des Vicomtes stellt eine doppelte Herausforderung für die Verführungskünste Valmonts dar: Er soll nicht nur die blutjunge und unerfahrene Cécile Volanges korrumpieren, die soeben erst die Klosterschule verlassen hat, sondern sein Glück auch noch bei der Madame de Tourvel versuchen, deren stadtbekannte Tugendhaftigkeit und Religiösität ihm einige Schwierigkeiten bereiten.
Doch als sich Valmont unerwartet in die Madame de Tourvel verliebt, läuft die Sache aus dem Ruder…
Die BUSC-Sommerproduktion taucht tief ein in ein Netz aus Intrigen und Erotik, in dem man niemandem trauen kann, weil jeder nur auf seiner eigenen Seite steht. Manipulation, Machtmissbrauch und menschliche Abgründe sind die zentralen Themen von Christopher Hamptons Theateradaption des skandalösen Briefromans von Choderlos de Laclos aus dem Jahr 1782, der seine Brisanz auch in heutiger Zeit noch lange nicht verloren hat…
Regie:
- Rebecca Kroesen & Christine Bücken
Schauspieler:
- Marquise de Merteuil – Beate Linnenkamp
- Vicomte de Valmont – Fraser Gartshore
- Mme de Tourvel – Kristina de Giorgi
- Cécile Volanges – Sarah Kloss
- Chevalier Danceny – Sebastian Klement
- Mme de Volanges – Stephanie Pannen
- Mme de Rosemonde – Imke Pannen
- Émilie – Meike Nießen
- Azolan – Peter Schild
- Servants – Daniela Elter / Evelina Joschko
Crew:
- Set Design Alexander Holle
- Costume Design Beate Linnenkamp Cornelia Kleines
- Stage Management: Lukas Wosnitza
- Lighting: Markus Becker, Florian Hoffmann
- Prompts: Philipp Gierenstein, Jens Küstner
- Poster Design: Jason Smith, Sebastian Klement
- Photography: Gregor Pallast
Produktion:
- Hendrik Wevers
- Esther Helena Arens
- Alexander Holle
- Sebastian Klement
- Beate Linnenkamp
- Simon-Dominik Otte
- Peter Schild
Beuel. In ihrer diesjährigen Sommerproduktion geht die Bonn University Shakespeare Company wieder einmal fremd. Kein Stück des großen Namenspatrons hat sich das Ensemble vorgenommen, sondern Christopher Hamptons Adaption von Choderlos de Laclos’ skandalösem Briefroman “Les Liaisons Dangereuses”, berühmt geworden durch die Verfilmung von Stephen Frears.
Die gelangweilte Spaßgesellschaft spielt, und die Marquise de Merteuil ist die Königin aller Kartenhäuser. Ihre Trumpfkarte ist der als Liebhaber längst abgelegte Vicomte de Valmont, aber immer noch tauglich für diverse Rachegelüste und erotische Machtkämpfe.
“Love is something to use” lautet die Parole. Sex ist die Waffe im Psychokrieg, Vertrauen die Maske, Zurschaustellung die Strategie, der schließlich auch Feldherrin Merteuil zum Opfer fällt. Ihre fein gesponnenen Kabalen scheitern an der Liebe. Ihre eigenen Kreaturen machen die virtuose, scheinbar unschlagbare Spielerin zum Objekt ihrer raffinierten Erfindung.
Weil immer alle gleichzeitig Zuschauer und Akteure sind. Und weil das junge Regisseurinnenduo Christine Bücken und Rebekka Kroesen aus dem raffinierten Spiel von Verschweigen und Enthüllen herrlich gefährliche Funken schlägt.
Im transparenten Bühnenbild von Alexander Holle lauert fast immer jemand hinter den beweglichen Spielkarten-Paravents, ist mal Wunschprojektion und mal Beobachter des gerade laufenden Spielzugs. Sie schauen sich in die Karten, auch wenn das Blatt geheim bleibt oder offen lügt.
Als von der halsbrecherisch hohen Showtreppe stöckelnde Diva Merteuil trägt Beate Linnenkamp elegantes Schwarz zum unerschütterlichen Pokerface: ein Society-Star mit brutalem Machtinstinkt – nichts ist erotischer als die Macht! – und lässigem Sex-Appeal, ein eiskalter Engel mit teuflischer Intelligenz.
Fraser Gartshore als aasiger Verführer Valmont ist ihr Ass im Krieg der Geschlechter, aber leider auch ein Joker auf dem grünen Pokertisch, der als Lotterbett einiges auszuhalten hat.
Die blonde Klosterschülerin Cécile de Volanges (als süß verschämtes Naschkätzchen: Sarah Kloss) genießt kurz vor dem Verkauf an einen ökonomisch potenten Gatten die deflorierenden Lehrstunden sichtlich und hörbar. Ihr schüchterner Schwarm und Musiklehrer Chévalier Danceny (als naiver Sonnyboy: Sebastian Klement) zappelt in Merteuils Spinnennetz und klebt an Valmonts Aufreißerqualitäten.
Mama Volanges (hübsch zickig: Stephanie Pannen) könnte von der Volatilität der Lustaktien einiges berichten, was den Börsenkurs ihres jungfräulichen Töchterchens eher abstürzen ließe. Kristina de Giorgi ist als keusche Gottesanbeterin Madame de Tourvel der Blue Chip und nicht so leicht zu erobern, gibt aber Valmonts ,moralischer Läuterung’ ihren liebestaumelnden Segen.
Den entscheidenden Brief verfasst Valmont auf dem entblößten Rücken der willigen Kurtisane Émilie (Meike Nießen), was den Genuss verdoppelt. Tantchen Madame de Rosamonde (Imke Pannen) ist im grauen Hosenanzug liebenswürdig jenseits von Gut und Böse. Diener Azolan (als unverschämt komisches Faktotum: Peter Schild) macht aus dem Show-Down am Pokertisch ein spannendes Duell, bei dem Valmont dem braven Danceny freiwillig blutig unterliegt.
Dass die Karten in diesem mörderischen Spiel immer richtig gezinkt sind, liegt an den beiden munteren Kammerzofen (Daniela Elter und Evelina Joschko). Bis Valmont mit seinem “It’s beyond my control” halt notgedrungen Merteuils knallharte Kriegserklärung annimmt: Make War not Love! Rache ist süßer als Lust! Die stolze Dame produziert Leichen und speit Feuer, bis ihr das eigene Kartenspiel um die Ohren fliegt. Tilt, Game over! Sieger gibt’s nicht.
Circa 3 Stunden inkl. Pause; weitere Vorstellungen bis zum 28. Juni täglich um 20 Uhr in der Brotfabrik.
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