„The Changeling“ besteht aus einer (weitgehend) tragischen Haupthandlung (von Middleton) und einer (weitgehend) komischen Nebenhandlung (von Rowley). Die Handlungen sind plot-technisch kaum miteinander verknüpft und stehen vor allem in einer komplexen, changierenden (get it?) Vexierspiegel-Beziehung zueinander. D.h., es ist möglich, in Figuren der Nebenhandlung komische Parallelen/Kontraste zu erkennen, so z.B. bei Beatrice und Isabella; De Flores und Lollio; Alsemero/Alonzo und Antonius/Franciscus; Alsemero und Alibius.
Es wird essentiell sein, diese Zerrspiegel-Beziehungen spielerisch zu verdeutlichen oder anzudeuten, da die Handlungen sonst für den Zuschauer zusammenhanglos nebeneinander her dümpeln! Beide Handlungsstränge konzentrieren sich um eine beherrschende Frauenfigur: in der Haupthandlung Beatrice-Joanna, in der Nebenhandlung Isabella.
Englischsprachiges Theater
Regie
- Martin Kuhnen
Cast
- Vermandera – Birthe Schuster
- Tomazo de Piraquo – Barbara Müller
- Alonzo de Piraquo – Christoph Seibert
- Alsemero – Falk Wolf
- Jasperino – Urs Zietan
- Alibius – Simon-Dominik Otte
- Pedro – Eva Gridi-Papp
- Lollio – Beate Linnenkamp
- Antonio – Hendrik Wevers
- Franciscus – Ernst H. Maresch
- De Flores – Chris Karpenchuk
- Beatrice Joanna – Mascha Gemein
- Diaphanta – Bernadette Lieder
- Isabella – Bettina Uhse
- Madwomen – Maike Christians, Meike Thöldtau, Imke Pannen, Juana Juan, Sisi Vobis
Crew
- Choreographie – Birthe Schuster
- Bühne – Anja Petersen, Jennifer Schmitz, Daniel Seibert, Anna Kie
- Stage Manager – Jan Stephan Schmieding
- Prompts – Susanne Schroll, Jennifer Schmitz
- Kostüme – Ana Borgmann, Manuela Schulz
- Fotos – Christian Schmieding
- Poster-Design – Barbara Müller, Jan Stephan Schmieding, Hendrik Wevers
- Programmheft – Hendrik Wevers
Produktion
- Andree Oehm
- Ana Borgmann
- Barbara Müller
- Eva Gridi-Papp
- Ernst H. Maresch
- Hendrik Wevers
- Martin Kuhnen
Haupthandlung:
Beatrice-Joanna ist die schöne, verwöhnte Tochter der reichen, verwitweten Vermandera. Diese hat den Edlen Alonzo de Piraquo als ihren Ehemann erkoren und auch schon die Verlobung arrangiert. In der ersten Szene zeigt sich aber, daß Beatrice sich in den schmucken Alsemero verguckt hat. Alsemero selbst hatte bis dato mit Frauen wenig am Hut, ist nun aber ebenfalls Feuer und Flamme für Beatrice, sodass sein Freund Jasperino ihn kaum wiedererkennt. Das hält Jasperino aber nicht davon ab, sogleich mit Beatrices lebenslustiger Zofe Diaphanta anzubandeln. Die ahnungslose Vermandera lädt Alsemero als Gast in ihr Haus ein.
Alonzo de Piraquo brennt auf die Hochzeit; Beatrice bittet sich in ihrer Bedrängnis einige Tage Aufschub aus, da sie sich „nur schwer von ihrer Jungfräulichkeit verabschieden kann.“ In Wahrheit brennt sie darauf, selbige baldestmöglich an Alsemero zu verlieren … Um Alsemero davon abzubringen, sich mit Alonzo zu duellieren, verfällt sie auf den Gedanken, den verhassten Diener ihres Vaters, De Flores, zum Mord an Alonzo zu überreden.
De Flores ist Beatrice seit langem mit Haut und Haaren verfallen. Er ist besessen von ihr und erträgt ihre Hasstiraden mit geradezu masochistischer Geduld. Er ist nun selig und wähnt sich am Ziel seiner Wünsche, als Beatrice ihn becirct, Alonzo für sie zu beseitigen und willigt sofort begeistert ein. Er erdolcht Alonzo, der ihm (wie alle anderen) blind vertraut, hinterrücks und schneidet ihm zum Beweis einen Finger mit einem Ring von Beatrice ab (weil der dumme Ring sonst einfach nicht abgehen will …). Triumphierend präsentiert er Beatrice seine Trophäe, die plötzlich doch etwas schockiert ist aufgrund ihrer Tat. Sie möchte De Flores fürstlich entlohnen, um ihn loszuwerden. Dieser denkt aber gar nicht an Geld, sondern will – sie! In einer zentralen und sehr ambivalenten Szene zeigt er ihr, dass sie spätestens durch diese Tat zu Seelenverwandten geworden sind. De Flores zeigt hier eine animalisch-dämonische Macht, der Beatrice sich schließlich nicht mehr zu entziehen vermag. Ab diesem Zeitpunkt sind die beiden ein heimliches, gefährliches Paar.
In Vermanderas Haus ist man geschockt über Alonzos plötzliches Verschwinden; Vermandera akzeptiert aber sogleich Alsemero als neuen Schwiegersohn in spe. De Flores wird von Alonzos Geist heimgesucht. Tomazo de Piraquo, Alonzos Bruder, ist der einzige, der von einer Ermordung seines Bruders überzeugt ist. Er hatte von Anfang an Beatrices triebhaftes Wesen und ihre Unstetigkeit durchschaut und streift fürderhin nach Rache dürstend durchs Haus.
Beatrice steht nun vor einem neuen Problem: Wie soll sie vor ihrem geliebten Alsemero in der Hochzeitsnacht verbergen, daß sie ihre Jungfernschaft längst an De Flores verloren hat? Zu allem Überfluss findet sie in Alsemeros Gemach ein dubioses Schränkchen voller seltsamer Elixire, darunter einen Jungfernschafts-Test. Sie erprobt die Effekte des Elixirs an ihrer Zofe Diaphanta, die überraschenderweise tatsächlich noch virgo intacta ist! Beatrice überredet sie, in der Hochzeitsnacht ihren Platz in Alsemeros Bett einzunehmen, und Diaphanta ist dazu nur allzu bereit.
Alsemero hat aber über seinen Freund Jasperino doch Wind von De Flores’ und Beatrices Verhältnis bekommen (Jasperino hat weiterhin ein gutes Verhältnis zu Diaphanta …). Misstrauisch und eifersüchtig geworden, macht er den Jungfrauen-Test mit ihr. Beatrice hat aber die Effekte des Trankes an Diaphanta beobachten können und kann so die Wirkungen perfekt vortäuschen. Alsemero ist wieder happy und freut sich auf die Hochzeitsnacht.
Diaphanta scheint sich aber auch sehr darauf gefreut zu haben. Sie kehrt nicht zum verabredeten Zeitpunkt zurück, um das Bett für Beatrice freizumachen. Ja, sie vergnügt sich offenbar so sehr, dass der Morgen beginnt zu grauen. Beatrice wird panisch und bittet De Flores um Hilfe. Dieser zögert nicht lange und zündet das Haus an. Im allgemeinen Tumult erschießt er Diaphanta, sagt, sie sei in den Flammen umgekommen und erhält sogar noch allseitig Lob für seine Tapferkeit beim Versuch, sie zu „retten“.
Doch Jasperino hat inzwischen einen Weg gefunden, Alsemero mit eigenen Augen von Beatrices Verhältnis mit De Flores zu überzeugen. In der Schlussszene konfrontiert er erst Beatrice, dann De Flores mit den Tatsachen und sperrt beide in ein closet. Vermandera erscheint und meint, Alonzos Mörder gefunden zu haben: Antonio und Franciscus, zwei ihrer Leute, die seit Tagen abwesend waren (in Wirklichkeit haben sich beide im Irrenhaus versucht, an Isabella ranzumachen). Alsemero enthüllt allen aber nun die wahren Mörder. De Flores und Beatrice sind derweil im closet den Liebestod gestorben, das heißt: fast. Beide sprechen natürlich noch ihre Schlussmonologe und sterben erst dann. Die Schlusssequenz, in der fast alle Personen der Haupt- und der Nebenhandlung auf der Bühne sind, ist ein Akt der Selbsterkenntnis all jener, die zu täuschen versucht haben oder getäuscht worden sind.
Nebenhandlung:
Sie spielt im Irrenhaus des alternden Nervenarztes Alibius und konzentriert sich um dessen junge Frau Isabella. Alibius ist chronisch eifersüchtig und bittet daher seinen Gehilfen Lollio, ein Auge auf seine Frau zu halten und sie in der Irrenanstalt unter Verschluß zu halten. Lollio hat sowieso schon ein Auge auf Isabella und willigt gerne ein.
Zwei Männer aus Vermanderas Haushalt, Antonio und Franciscus, haben sich getrennt voneinander als Irre verkleidet in Alibius’ Anstalt einschmuggeln lassen, um der schönen Isabella den Hof zu machen. In getrennten Sequenzen enthüllen sie Isabella ihre wahre Identität und Intention. Diese fühlt sich zwar geschmeichelt, bleibt aber dennoch standhaft. Als Antonio gar zu aufdringlich wird, verkleidet sie sich selbst als Wahnsinnige und macht sich nun ihrerseits an Antonio heran. Dieser stößt sie angewidert von sich und muss dann Isabellas Spott ertragen, als sie sich ihm nun ihrerseits enthüllt.
Lollio, die komische Variante des intriganten de Flores, hetzt nun beide Männer gegeneinander auf, indem er jedem erzählt, Isabella liebe nur ihn, er müsse aber seinen Nebenbuhler beseitigen. Bei einer grotesken Masque, die die Irren anlässlich Beatrices Hochzeit aufführen, fallen Antonio und Franciscus dann tatsächlich übereinander her, werden so enttarnt und als Alonzos mutmaßliche Mörder festgenommen. Auch sie sind in der letzten Szene anwesend und müssen zerknirscht eingestehen, dass sie sich tatsächlich wie Irre benommen haben. Isabella wäscht schließlich noch ihrem Ehemann den Kopf, der sich ja nun auch ziemlich albern verhalten hat.
Zentrale Motive:
Abstieg vom Himmel in die Hölle (Alsemero steht am Anfang vor einer Kirche und sieht sich und Beatrice als Adam und Eva; De Flores fungiert als Schlange; Beatrice als sündige Eva; das Stück endet quasi in der Hölle für alle)
(Selbst-)Täuschung und (Selbst-)Erkenntnis (in der Nebenhandlung v.a. durch Verkleidung, in der Haupthandlung subtiler durch Verstellung und Unaufrichtigkeit gegenüber anderen und vor allem sich selbst)
Folly und Madness (frei übersetzt als Torheit und Wahnsinn)
„Spielarten der Liebe“ (hört sich an wie ein RTL-Fernsehfilm, gemeint ist aber die Verquickung von Liebe, Treue, Leidenschaft, Trieben, dazu Hassliebe, krankhafte Eifersucht, Hörigkeit etc.)













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